Severin Pflüger
Severin Pflüger
Leistung hat Zukunft

Orts- und zeitunabhängiges Arbeiten

Wie halten wir Arbeitsplätze in der Schweiz?
Wie sichern wir die soziale Sicherheit der Arbeitnehmer?

Die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt fundamental verändern. Schon heute lassen sich diverse Berufe orts- und zeitunabhängig ausüben: im Zug, im Kaffee, zuhause, in den Bergen oder auf einem anderen Kontinent. Für den Arbeitnehmer bedeutet das eine grosse Flexibilisierung, die ihm in der Planung seiner Tagesstruktur entgegenkommt. Für den Arbeitgeber bedeutet es, dass er nicht mehr nur auf die Arbeitskräfte beschränkt ist, die sich in Pendlerdistanz zu seinem Sitz befinden, sondern auf die Arbeitskraft aller Menschen weltweit zugreifen kann. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden enorm sein.

Einige Berufe werden ortsabhängig bleiben, weil etwas vor Ort produziert, etwas betrieben, etwas bewacht oder jemand gepflegt werden muss. Klassischer Weise sind dies auch Berufe, welche nachts, an Wochenenden oder Feiertagen ausgeübt werden müssen. Doch auch diese Berufe werden einer grundlegenden Umwälzung unterworfen sein. Arbeiten, die sich automatisieren lassen, werden automatisiert. Überall, wo Sensoren die Sinne des Menschen ersetzen können, werden Sensoren eingesetzt. Damit wird die Digitalisierung auch diese Berufsbilder verändern und insbesondere den Arbeitseinsatz des Menschen genauer auf den konkreten Bedarf abstimmen und damit flexibler machen.

Dies alles wird unsere Einstellung zur Arbeit fundamental verändern. Wir werden nicht mehr von der Lehre bis zur Pensionierung beim gleichen Arbeitgeber angestellt sein und dort täglich von 08:00 bis 17:00 Uhr arbeiten. Wir werden mehr als einen Arbeitgeber gleichzeitig haben. Wir werden vorübergehend Pensen reduzieren und wieder aufbauen (Schwangerschaft, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Weiterbildung, zivilgesellschaftliches Engagement oder Erproben einer beruflichen Selbständigkeit).

Unsere Gesetzgebung und unsere Sozialpartner, motiviert durch die Gewerkschaften, gehen aber in eine andere Richtung. Das Korsett rund um unsere Arbeit wird mit flankierenden Massnahmen, NAVs und GAVs immer enger. Wir tun so, als ob wir uns gegen aussen abschotten und den Arbeitsmarkt nach eigenem Gutdünken mit Gesetzen und gesteuerter Einwanderung regulieren könnten. Doch die Digitalisierung kennt keine Grenzen. Sie überwindet jede Distanz und kann zwischen Rechts- und Wirtschaftsräumen frei wechseln. Wenn wir uns darauf nicht einstellen, wird unser Schweizer Arbeitsmarkt implodieren.

Es geht zum einen darum, dass wir als Schweiz wettbewerbsfähig bleiben und dafür sorgen können, dass alle Einwohner ein berufliches Auskommen finden. Zum anderen gilt es den Arbeitnehmer sozial zu schützen.

Die richtige Antwort wäre:

  • Arbeitsgesetz, GAV und NAV bezüglich Arbeitsort und Arbeitszeit anpassen, so dass zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht wird.
  • Der Arbeitgeber nicht über starre Regeln zu schützen, sondern über eine Jahresarbeitszeit, die Frei- und Ferientage mitberücksichtigt.